Jeder Fotograf kommt irgendwann an einen Punkt, an dem ihm oder ihr das reine Zeigen der Fotos auf der Webseite oder auf Facebook nicht mehr ausreicht. Gerade für Berufsfotografen ist es wichtig, gute Referenzen im Portfolio zu haben. Eine Veröffentlichung in einem Magazin scheint hier für viele ein „Must-Have“ zu sein, wenn es darum geht, sich und seine Arbeit am besten zu präsentieren. Aber wie ist das eigentlich mit so einer Magazin-Veröffentlichung? Brauche ich die wirklich? Und wie bekomme ich meine Fotos in ein Magazin? Diese und viele weitere Fragen zu dem komplexen Thema möchte ich anhand meiner eigenen Erfahrungen in diesem Beitrag beantworten.

Brauche ich überhaupt eine Veröffentlichung in einem Magazin?

Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Grundsätzlich schadet es nie, wenn man eine gute Referenz in seinem Portfolio hat. Jedoch sollte man auch genau schauen, ob einem eine Veröffentlichung tatsächlich einen Mehrwert bringt oder nicht. Nehmen wir mal an, du bist extrem gut darin tolle Business Portraits zu machen. Von Managern, Vorständen und für Firmen. Nebenbei – weil es dir Spaß macht – fotografierst du hier und da auch mal ein paar Fashion Motive. Dein Geld verdienst du aber mit der Business Fotografie und deine Fashion Arbeiten zeigst du nicht auf deiner Webseite. In diesem Fall wäre es natürlich vergebene Mühe, deine Modestrecken an ein Magazin zu schicken. Denn deine Kunden buchen dich für Business Fotografie und nicht für Modefotografie. Wenn du also mit einem Mode-Editorial wirbst obwohl du einen ganz anderen Kundenstamm hast, lohnt sich eine Veröffentlichung in der Regel nicht. Es folgt also:

Tipp 1: Schicke nur relevante Arbeiten an Magazine die thematisch zu dir passen

Im Falle des Business Fotografen wäre zum Beispiel eine Möglichkeit auch nach entsprechenden Magazinen zu suchen, die diese Thematik abbilden. Beispielsweise Business- oder Wirtschaftsmagazine, die regelmäßig nach gutem Bildmaterial für Ihren Content suchen.

Extrem wichtig ist aber noch ein vorgelagerter Schritt. Wenn du schon weißt, dass du Arbeiten an Magazine schicken möchtest, dann plane das bei deinen Shootings schon mit ein. Denn: Magazine haben bestimmte Formate und deine Fotos müssen in diese Formate passen.

Tipp 2: Fotografiere format-tauglich

Die meisten Fashion Magazine, z.B. alle Condé Nast Publikationen wie die Vogue, haben keine typischen Bildformate (Vogue: 8” x 10 7 ⁄8” inches). Die gängigen Digitalkameras nehmen in einem Seitenverhältnis von 3:4 auf. Das bedeutet dass das Foto das du schießt nicht einfach so vollflächig auf eine Magazinseite passt, sondern, das es höchstwahrscheinlich etwas beschnitten werden muss (unten oder oben). Lasse bei deinen Fotos schon im Vorhinein genug Abstand oben bzw. unten, damit du später die Fotos perfekt zuschneiden kannst, ohne das du dabei Teile der Person abschneiden musst oder andere wichtige Bildelemente. Das nächste was man wissen muss ist, dass Magazine gerne auch Doppelseiten drucken und Texte platzieren. Eine Doppelseite mit einem Foto wird natürlich nicht genommen, wenn der Kopf des Models genau in der Mittelfalz des Magazins ist. Daher achte schon beim Shooten darauf, auch Fotos aufzunehmen, die sich für eine Doppelseite eignen. Ich empfehle Euch dazu immer direkt in den Computer oder Laptop zu schießen (Tethered Shooting). Das geht zum Beispiel mit Adobe Lightroom. Hier habt ihr nämlich die Möglichkeit schon beim Fotografieren am Bildschirm Overlays auf Eure Bilder zu legen. Ein Tutorial wie das mit Lightroom geht findet Ihr hier. Das funktioniert natürlich ebenso mit CaptureOne Pro (Tutorial hier). Solche Overlays oder Überlagerungen könnt Ihr Euch ganz einfach in Photoshop selber bauen. Sowohl Lightroom als auch CaptureOne können hier mit PSDs arbeiten, oder ihr benutzt einfach eine PNG mit Transparenzen. Felix Rachor hat eine kostenfreie Vorlage für ein Magazin-Cover zum Download im Angebot: http://kunde.rachor-photography.com/download/overlay_rachor.zip

Wenn Ihr all das schon während des Shootings beachtet und schaut, dass Ihr immer auch ein paar Fotos dabei habt, die sich für eine Doppelseite eignen, die als Cover funktionieren oder auch als vollflächige Einzelseite, wo noch genug Platz ist um Text zu platzieren, seid Ihr schon einen riesengroßen Schritt weiter. Denn nichts regt Redakteure mehr auf, als wundervolle Fotografien, die nicht ins Format passen.

Wenn du deine Arbeiten zusammen hast und du dann Magazine ausfindig gemacht hast, die thematisch und auch vom Stil zu deinen Arbeiten passen, dann solltest du anfangen deine Arbeiten einzuschicken. Hier kommt auch schon der nächste Tipp:

Tipp 3: Weniger ist mehr

Redakteure von Magazinen arbeiten häufig in sehr hektischen Umgebungen und Großraumbüros. Du solltest dir also überlegen, wie du die Redakteure am besten erreichst. Ein Telefonanruf klingt verlockend, ist aber meistens kontraproduktiv. Denn am Telefon kannst du keine Fotos zeigen und der Redakteur ist in der Regel sehr kurz angebunden. Das Mittel der Wahl ist die Email. Hier gilt der Grundsatz „weniger ist mehr“. Versuche nicht durch einen langen Text über deine Kreativität und deine „Kunst“ deine Fotos zu pitchen. Lass die Fotos für sich sprechen. Eine kurze Email mit ein paar !verkleinerten! Fotos (Emails die größer als 3-4MB sind solltest du vermeiden) im Anhang und deinen Kontaktdaten reicht völlig aus. Die beste Variante ist, deine Fotos in ein PDF Dokument zu packen, das ganze noch einigermaßen hübsch zu layouten, einen Titel für deine Strecke zu vergeben, und dann nur das PDF an die Email anzuhängen. Der Vorteil ist, dass die Redakteure dieses PDF direkt ausdrucken und mit den anderen Einsendungen auf den Tisch legen können. Das geht nicht so leicht unter und du hast den Redakteur temporär ein bisschen glücklich gemacht. Denn der Alltag sieht häufig so aus, dass die Mailboxen der Magazine unfassbar überfüllt mit Bildern in Vollauflösung sind und dort täglich hunderte von Megabyte großen Emails mit tausenden Anhängen ankommen. Also mach es den Redakteuren am besten von Anfang an einfach 😉
Viele Magazine (vor allem Online-Magazine) besitzen eigene Submission Portale. Diese sollten natürlich genutzt werden. Beachtet dabei unbedingt alle Submission Guidelines, also die Vorgaben, wie Ihr Euer Bildmaterial aufbereiten solltet.

Allerdings muss ich Euch nun auch von einem Mythos oder Wunsch befreien, den viele haben werden.

Tipp 4: Erwarte nicht, Reich zu werden

Die allermeisten Magazine vergüten Eure Einsendungen (sofern sie im Magazin erscheinen) nicht, oder nur mit einer kleinen Aufwandsentschädigung. Und das ist auch erstmal nicht weiter schlimm, denn für viele die noch ganz am Anfang stehen, ist es toll, Ihre Arbeiten auch einem breiteren Publikum präsentieren zu können. Wenn Ihr ambitionierter seid und es schafft Eure Fotos in höherwertigen Print-Publikationen mit hoher Reichweite zu platzieren werdet Ihr meist pro gedruckter Seite vergütet. Je nach Magazin können das zwischen 50€-200€ pro Seite sein. Wenn Ihr es in die Top-Liga geschafft habt und beispielsweise eine Strecke in der Vogue oder Harpers Bazaar veröffentlichen könnt, winkt Euch eine vierstellige „commission“. Allerdings – so toll das klingt – für eine Strecke in der Vogue sind allein die Produktionskosten schon höher (zumindest meist), als das was ihr für die Veröffentlichung bekommt. Demnach bleibt nur eine Sache zu sagen: Magazinveröffentlichungen lohnen sich in aller Regel finanziell nie. Wenn Ihr das große Geld wittert, stellt Euch schonmal auf eine große Enttäuschung ein.

Es gibt aber auch Magazine (hauptsächlich Online-Magazine), die von Euch eine Bezahlung verlangen, damit Ihr Eure Arbeiten dort platzieren könnt.

Tipp 5: Bezahle niemals für eine Magazinveröffentlichung

Solche Magazine sind meist keine „Modemagazine“ sondern mehr als „Gelbe Seiten“ für Fotografen zu verstehen. Du erkaufst dir dort einen Platz zur Eigenwerbung. Warum das so ist: Diese „Magazine“ haben meist keinen guten Content und erhalten auch keine Werbedeals mit großen Marken um sich zu finanzieren. Das bedeutet, dass sich das Magazin nicht gut selbst vermarktet und ergo eine eher kleine Reichweite hat. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber in der Regel gilt: Finger weg, wenn du dafür bezahlen sollst!

Tipp 6: Kenne das Business

Gerade in der Fashion Industrie gibt es festgesetzte Zeitpunkte im Jahr, wo neue Kollektionen vorbereitet werden. Die nächste Frühlingskollektion wird beispielsweise schon im Herbst produziert und Lookbooks etc. werden auch schon im Herbst geshootet. Die Modebranche ist sehr schnelllebig. Das bedeutet, du musst – um eine gute Strecke im Frühling platzieren zu können – schon im Herbst wissen, was der neue Trend für den Frühling ist. Organisiere dir einen guten Stylisten, der idealerweise auch Kontakt zu den PR Agenturen der großen Labels hat. Für hochwertige Strecken schicken diese Euch schon im Herbst die neue (noch nicht herausgebrachte) Frühlingskollektion zu. Die Chancen darauf erhöhen sich dramatisch, wenn Ihr einen sogenannten „Pull-Letter“ habt. Ein Pull-Letter ist eine schriftliche Zusage eines Magazins, dass ihr dort eine Veröffentlichung sicher habt. Solche Pull-Letter erhaltet Ihr in der Regel erst, wenn ein Magazin schon mehrere Strecken von Euch veröffentlicht hat und weiß, dass Ihr konstant gute Qualität liefert, die zum Style des Magazins passt.

Aber Achtung: Bedenkt, dass wenn Ihr im Herbst/Winter die Frühlings/Sommerkollektion shootet, müsst Ihr das natürlich auch bei sommerlichem Wetter tun. Das ist unter anderem der Grund, warum so viele Produktionen in Südafrika stattfinden, denn das Wetter dort ist ganzjährig ziemlich stabil.

Zu guter Letzt noch etwas was eigentlich ganz an den Anfang gehört:

Tipp 7: Fange klein an

Selbstverständlich wird keine Vogue der Welt eine Strecke von Euch nehmen, wenn Ihr das das erste mal gemacht habt. Ein Editorial zu fotografieren ist eine richtige Produktion und mit viel Arbeit verbunden. Wichtig sind eine gute Location, ein guter MakeUp Artist, ein Top-Stylist der auch hochwertige Mode besorgen kann (Die Credits – also die verwendeten Marken – entscheiden häufig, ob Ihr genommen werdet oder nicht) und natürlich ein tolles Model. Dann müsst Ihr natürlich ein Konzept haben, denn Editorials leben von Storytelling. Ihr müsst mit den Fotos eine Geschichte erzählen. Am besten shootet ihr dann auch noch zwischen 7-12 verschiedene Sets, damit die Redakteure genug Auswahl haben. Das ist ein Ganztagsjob, meistens sogar ein zwei-Tages-Job. Deswegen: Fangt klein an, sucht Euch Magazine heraus, die noch nicht so bekannt sind und auch Newcomern Chancen geben, weil sie selber froh sind, wenn Sie vernünftiges Bildmaterial bekommen. Und dann arbeitet Euch langsam hoch. Das dauert, deswegen habt Geduld. Auch werdet Ihr am Anfang sicher viele Absagen erhalten. Lasst Euch dadurch nicht abschrecken und versucht es immer weiter. Das ist ein bisschen wie beim Bewerbungen schreiben. Auch wenn Ihr gut seid, die Wahrscheinlichkeit bei einer Bewerbung direkt einen Job zu bekommen ist extrem klein.

Ich hoffe ich konnte Euch hiermit eine gute Basis geben, was es bedeutet Strecken in einem Magazin zu veröffentlichen und welche Arbeit damit verbunden ist. Schreibt mir einfach Eure Meinung, Fragen und Kritik hier drunter in die Kommentare oder auch gerne per Email.

Als kleinen Bonus habe ich Euch hier auch eine kleine Auflistung von Magazinen erstellt, die ich persönlich sehr gut finde und es sich meiner Meinung nach lohnt, dort eine Strecke zu platzieren:


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